Sport ist ohne Zweifel gesund – wenn es um die Gewichtreduktion geht, erzielt sehr viel Bewegung allerdings nicht die gewünschten Ergebnisse. Der Körper passt sich unter starken Belastungen einfach an die erhöhten Anforderungen an [1].

 

Wenn Sport das Abnehmen unterstützen soll, hilft sehr viel Bewegung nur bis zu einem bestimmten Punkt. Eine Studie aus New York legt nahe, dass der Kalorienverbrauch mit zunehmender Aktivität beginnt zu stagnieren. US-Forscher konnten beobachten, dass der Kalorienverbrauch bei Probanden, die sich sehr viel bewegten, ein Plateau erreicht. Der Körper passt sich einfach an die erhöhte Belastung an. Im Fachblatt "Current Biology" erklärten sie, dass exzessives Training allein nicht effektiv für eine Reduzierung des Körpergewichts ist. In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher nun klären, wie genau sich der Organismus auf die hohe Aktivität anpasst und wie der Körper zusätzliche Energie bereitstellen kann, ohne zusätzliche Kalorien zu verbrauchen.

Bewegung ist essenziell wichtig für die Gesundheit. Davon ist auch Herman Pontzer von der City University of New York überzeugt. Nicht umsonst gibt es dafür zahlreiche Belege, die den positiven Einfluss auf Körper und Geist bestätigen. Die Forschungen des Anthropologen ändere nichts an dieser Aussage. Neu ist allerdings, dass sich Abnehmwillige in erster Linie auf die Ernährung konzentrieren müssen. Gerade wenn es darum geht, eine ungesunde Gewichtszunahme zu verhindern oder Gewicht zu reduzieren. Eine verbreitete Annahme konnten die Forscher mit ihrer Arbeit widerlegen: mit zunehmender körperlicher Aktivität geht kein erhöhter Energie- und Kalorienverbrauch einher. Die langfristigen Effekte und Zusammenhänge zwischen Bewegung und Stoffwechsel sind sehr komplex und folgen keinem einfachen, linearen Zusammenhang.

 

Beispiele aus dem Alltag bestätigen diese Erkenntnis. Bei Sportprogrammen zum Abnehmen beobachten die Teilnehmer nach mehreren Monaten häufig, dass sich die Gewichtsabnahme verringert oder gar stagniert. Der Anthropologe Pontzer weist so auch auf afrikanische Volksgruppen hin, die sich als Jäger und Sammler durch eine sehr hohe Aktivität auszeichnen. Trotzdem legen diese Gruppen keinen erhöhten Kalorienverbrauch an den Tag. Die Volksgruppe der Hadza ist beispielsweise außerordentlich aktiv, verrichtet jeden Tag harte körperliche Arbeit und läuft täglich sehr weite Strecken. Das Forschungsteam stellte fest, dass die Hazda trotz hoher Aktivität einen vergleichbaren Energieverbrauch aufweisen wie Menschen in Europa oder den USA mit einem überwiegend sitzenden Lebensstil. Das war für die Wissenschaftler um Herman Pontzer eine richtige Überraschung und legte den Grundstein für weitere Nachforschungen.

 

In ihrer aktuellen Studie wollte das Team daher das Verhältnis zwischen körperlicher Aktivität und Kalorienverbrauch ergründen. Bei insgesamt 332 Männern und Frauen maßen sie eine Woche lang Aktivität und Energieverbrauch. Das Forscherteam entdeckte, dass tägliche Bewegung einen geringen, aber messbaren Effekt auf den Energieverbrauch hat. Genauere Analysen zeigt allerdings, dass dieser Effekt nur auf Teilnehmer zutrifft, die sich generell wenig bewegten. Teilnehmer mit moderater Aktivität verbrauchten so etwa 200 Kilokalorien mehr als Probanden, die ihren Tag überwiegend im Sitzen verbrachten. Das kleine Extra an Bewegung schlug bei Teilnehmern, die sich mehr als moderat bewegten, hingegen nicht in zusätzlichem Energieverbrauch nieder. Die moderat aktiven Probanden verbrauchten die gleiche Menge an Kalorien am Tag wie die körperlich sehr aktiven Teilnehmer.

 

Laut dem Forscherteam um Pontzer scheint es ein noch unbekanntes Ausmaß an körperlicher Bewegung zu geben. Zu wenig Aktivität ist nachweislich ungesund, doch ein zu viel an Bewegung bringt den Körper dazu, sich an die erhöhten Anforderungen anzupassen.

 

Quelle:

 

[1]Constrained Total Energy Expenditure and Metabolic Adaptation to Physical Activity in Adult Humans (2016), Herman Pontzer et al., URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26832439 [Stand: 15.07.2019]