Sind Körper und Seele beim Training in perfekter Symbiose, läuft alles wie von selbst. Trotz sportlicher Anstrengung fühlst Du Dich leicht und gehst völlig in Deiner Aktivität auf – Flow-Erlebnisse können berauschend sein. Wie auch Du ins Flow-Erlebnis eintauchen kannst, erfährst Du jetzt.


Alles im Flow
Das Gefühl der absoluten Versunkenheit, sich wie in "Trance" zu befinden, dieses Phänomen wird in der Sportpsychologie als "Flow" bezeichnet. Auf der einen Seite steht der Flow für einen Bewusstseinszustand, in dem Du ohne andere Gedanken oder Gefühle völlig in Deiner aktuellen Tätigkeit aufgehst. Auf der anderen Seite umfasst Flow auch die Freude, die durch die harmonische Wechselwirkung von Geist und Körper entsteht. Nicht umsonst ist der Flow wie geschaffen für die Sportwelt. Schließlich stehen gerade beim Trainieren und Auspowern das mühelose Ausloten der eigenen Grenzen und die völlige Hingabe im Fokus. Bei Ausdauersportarten stehen die Chancen besonders gut, Flow zu erleben. Die wiederkehrenden Bewegungen fördern das Entstehen einer Art Versunkenheit, die den Flow begünstigen.

Wichtig für den Flow ist die absolut fokussierte Konzentration, bei der Du nichts mehr von dem wahrnimmst, was um Dich herum passiert. Dieser Fokus lässt Dich alltägliche Sorgen vergessen und hilft Dir dabei, alle störende Gedanken abzuschalten. Deine Energie kannst Du so zielgerichtet für Deine sportliche Aktivität einsetzen. Echter Pluspunkt: Die Bündelung der Aufmerksamkeit geht meist mit einer verbesserten Leistung einher. Wird Deine Aufmerksamkeit jedoch wieder auf etwas außerhalb Deiner Tätigkeit gelenkt, unterbricht der Flow automatisch. Ein weiteres Anzeichen eines Flow-Erlebens ist, dass Du Dich völlig in Deiner Tätigkeit verlierst.


Was ist der Flow eigentlich?
Flow-Erlebnisse zeigen sich in vollkommener Selbstvergessenheit. Dein Atem geht gleichmäßig und Dein Fokus liegt ganz bei der aktuellen Aufgabe. Alle Bedenken und Dein Gefühl für Zeit verschwinden. Keine Erwartungen von außen, keine Deadlines, keine Ablenkungen. Du hast ein klares Ziel und Du fühlst, dass Du Deinen Vorsatz erfüllen wirst. Dein sonst unsteter Geist tritt in den Hintergrund und Du tauchst vollkommen in den Moment ein.

Mihály Csíkszentmihályi nennt diese Momente des Eintauchens "Flow". Der Psychologieprofessor der University of Chicago hat dieses Phänomen in seinem Buch "Flow" bereits 1990 beschrieben. In diesem bestmöglichen Bewusstseinszustand können Menschen nicht nur großartige Leistungen erzielen, sie fühlen sich auch super dabei. Csíkszentmihályi erklärt, dass dieses Wohlgefühl immer dann entsteht, wenn Du Deiner Leidenschaft folgst und vollkommen in Deiner Tätigkeit aufgehen kannst. Nach Csíkszentmihályi erleben wir unsere glücklichsten Momente nicht beim entspannten Zurücklehnen, sondern bei Tätigkeiten, die Körper und Geist an ihre Grenzen stoßen lassen, um freiwillig etwas Lohnenswertes und Schwieriges zu vollbringen.

Das bekannteste Flow-Gefühl beim Sport ist wohl das Runner’s High. Dieser euphorische Höhenflug wird durch Endorphine und Endocannabioide nach einem fordernden Lauf ausgelöst. Die Stoffe wirken wie körpereigenes THC oder Morphium auf das zentrale Nervensystem. Läufer werden durch das Runner´s High also wortwörtlich high. Beim Flow-Erlebnis geht es allerdings um mehr als das.


Was passiert beim Flow?
Forschungen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg belegen, dass sich im Flow-Zustand die Gehirnaktivität ändert. Das körperliche Training sorgt dafür, dass eine Hypofunktion im präfrontalen Kortex entsteht. Im präfrontalen Kortex erfolgt die Bewertung emotionaler Zustände und die Steuerung von Handlungen.

Die Hypofunktion in diesem Bereich ermöglicht, dass Dein Gehirn die permanente Kontrolle loslässt: Alles läuft völlig mühelos, wie von allein. Die erzielten Erfolge beim Sport steigern zusätzlich Deine Selbstwirksamkeit. Sobald Du bemerkst, dass Du gut in einer bestimmten Sache bist, wirst Du Dich einfach gut fühlen. In dem Moment, in dem Du mit Deiner Tätigkeit verschmilzt und restlos darin aufgehst, kommst Du in dieses Flow-Erlebnis. Sämtliche Ängste und Grübeleien sind wie weggefegt, deshalb unterstützen Flow-Erlebnisse Dein Glücksgefühl. Menschen, die regelmäßig Flow-Erlebnisse haben, führen in der Regel ein erfüllteres und glücklicheres Leben.


So kommst Du in den Flow
Das Großartige am Flow ist, dass Du dieses Eintauchen auf völlig unterschiedliche Arten erreichen kannst. Wenn Du einer herausfordernden Aufgabe Deine ganze Aufmerksamkeit widmest und Deiner Leidenschaft nachgehst, wirst Du eher in diesen Bewusstseinszustand gelangen. Trotzdem sind Flow-Erlebnisse nicht garantiert. Ein Flow-Zustand lässt sich nicht ohne Weiteres herbeizaubern, indem Du eine Handvoll Tipps befolgst. Es gibt natürlich verschiedene Bedingungen, aber keine Garantien. Die wichtigste Eigenschaft von Flow-auslösenden Tätigkeiten ist, dass sie autotelisch sind. Die Aufgabe selbst wird also bereits sehr gern ausgeführt.


Die Voraussetzungen für Dein Flow-Erlebnis
Drei Grundlagen sind entscheidend für den gewünschten mentalen Zustand:

Definiere Dein Ziel
18.    Definiere Dein Ziel: Um in den Flow-Zustand zu gelangen, musst Du vorher festlegen, was Du erreichen möchtest. Dein Ziel muss sich dabei direkt auf die Aufgabe selbst beziehen. Der perfekt trainierte Körper ist beispielsweise kein Flow-Ziel, eine festgelegte Route in einer bestimmten Zeit zu laufen schon.
Sei realistisch
19.    Sei realistisch: Für Dein Flow-Gefühl ist ein Gleichgewicht zwischen dem eigenen Können und der Herausforderung entscheidend. Sind Deine Fähigkeiten zu gering und die Aufgabe zu schwierig, wirst Du schnell überfordert sein. Die aufkommenden Ängste und Selbstzweifel blockieren den Flow. Ist die Aufgabe allerdings zu leicht, langweilst Du Dich. Dein Ziel darf Dich also weder über- noch unterfordern.
Höre auf Deinen Körper
20.    Höre auf Deinen Körper: Interpretiere Feedback von innen und außen richtig. Indem Du Deine Aufmerksamkeit auf die Zeichen Deines Körpers und die Signale Deiner Umwelt richtest, desto besser wirst Du reagieren. Bewegungen, Atmung und Tempo passt Du so automatisch an. Im Idealfall verschmelzen Bewusstsein und Handlungen miteinander und Du reagierst ohne darüber nachzudenken.


Sind die Grundbedingungen für den Flow erfüllt, können sich Körper und Geist ihrem vollen Potenzial annähern. Dein Geist fokussiert sich auf die vorliegende Aufgabe, während sich Dein Körper für die Anstrengung wappnet. Platz für Bedenken und andere Gedanken bleibt da nicht. Je spannender die Herausforderung ist, desto intensiver wirst Du Deine Konzentration fokussieren und in den Moment eintauchen können.

Sport für den Flow-Zustand ist individuell: Ein Patentrezept gibt es nicht und schon gar nicht die eine Sportart, die allen grenzenlose Lebensfreude schenkt. Doch was auch immer Dir ein Flow-Erlebnis bringt: Mach mehr davon!